Equus®-Ausbildung des Reiters

In der Equus®-Reiterausbildung geht es darum, beim Schüler jene Fähigkeiten und Qualitäten zu entwickeln, die er/sie als guter Reiter auch braucht. So manche ReiterInnen sind es zwar gewohnt, von den Pferden einiges an Leistung zu verlangen und sollten daher auch bereit und bemüht sein, an sich selber zu arbeiten. 

Bei der Reiterausbildung unterscheide ich zwei Bereiche:

  • Sitz und Hilfengebung
  • Ergänzendes Training

Sitz und Hilfengebung

Zur Reiterausbildung im engeren Sinn zählen die Entwicklung eines ausbalancierten Sitzes und die koordinierte Steuerung der Hände und Beine. Das entspricht den Gewichts- Zügel- und Schenkelhilfen.

Schenkelhilfen

Da ich mich mit unterschiedlichen Reitweisen befasst habe, weiß ich, dass bei der Hilfengebung große Unterschiede und oft auch Widersprüche zwischen den Reitweisen und sogar zwischen Vertretern derselben Reitweise zu finden sind:

  • Die Einen sind der Auffassung, dass man nur manchmal in Bewegungsrichtung zu sitzen braucht, obwohl die Physik und auch die Logik der Hilfengebung ganz klar dafür sprechen!
  • Manche TrainerInnen wollen ruhige Beine sehen, andere erwarten einen "rhythmisch treibenden" Schenkel.
  • Die Einen wollen durchhängende Zügel sehen um die "Leichtigkeit" ihrer Zügelhilfen zu demonstrieren, verwenden aber im Training Ausbinde- und Schlaufzügel!
  • Die Anderen wollen zwar einen stetigen, "leichten Kontakt" zwischen Hand und Pferdemaul, halten aber ihre Hände permanent tief - ohne dem Pferdemaul zu folgen. Dadurch drücken sie immer wieder auf die Zunge des Pferdes und als ultimative Lösung wird schließlich dem Pferd der Kopf nach unten gebunden (das nennt man dann "Hilfszügel")!

Das zeigt nicht nur von Unwissen und Inkonsequenz sondern verwirrt auch viele interessierte ReiterInnen, die eine pferdegerechte Art zu reiten anstreben.

In der Equus®-Reiterausbildung wird eine klare und auf physiologischen Grundsätzen beruhende Hilfengebung vermittelt.

Wir sitzen daher in die Bewegungsrichtung und wenn wir die Unterschenkel an den Gurt legen, dann heißt das auch eindeutig „vorwärts“ fürs Pferd. Wir bitten das Pferd auch nicht bei jedem Tritt aufs Neue, weiterhin vorwärts zu gehen, sondern unsere Unterschenkel liegen ruhig und wir lassen das Pferd seine Arbeit tun!

Das Erlangen eines ausbalancierten Sitzes steht zu Beginn der Ausbildung im Vordergrund. Erst wenn der Reiter in jeder Gangart im Gleichgewicht bleibt ohne das Pferd zu stören, hat er die Voraussetzungen, um mit seinen Händen gezielte Signale (= Zügelhilfen) ans Pferd zu geben. Mehr dazu findet man bei "Besser Sitzen - Besser Reiten!"

Die Bewegungen der Reiterhände haben riesige Effekte auf das Wohlbefinden der Pferde. Dazu hat Philippe Karl eine exzellente Methodik entwickelt, die in seiner Ecole de Légèreté vermittelt wird. Er nennt das Maul auch den "Schlüssel zum Pferd". Wir vermeiden demnach, mit dem Gebiss auf die Zunge zu drücken, sondern kontaktieren die elastischen Maulwinkel. Daher brauchen wir flexible Hände, die nicht immer tief liegen müssen, sondern der jeweiligen Situation (= die Position des Pferdekopfes) angepasst werden. Die "ruhige und tiefe Hand" ist daher erst beim "ausgebildeten Pferd" sinnvoll. Wir brauchen die beweglichen Hände auch, um die Pferdehälse zu biegen, und damit Muskeln zu dehnen und die Balance verschieben zu können. Es geht schließlich um Gymnastik bei diesen Übungen!

Hilfszügel oder Sperrriemen verwenden wir hingegen nicht. Diese haben keinen methodischen Sinn und können eine geschulte Reiterhand niemals ersetzen!

Die Verfeinerung der Hilfengebung ist ein Lernprozess, der über Jahre andauert. Häufiges Feedback durch gute TrainerInnen, Videoanalysen und auch eine gewisse Selbstdisziplin des Reiters sind dafür nötig. Dann wird die "Sprache" des Reiters immer feiner und klarer fürs Pferd.

Ergänzendes Training

Körperwahrnehmumg

Eine ergänzende Ausbildungstufe gibt Antwort auf die Frage, Was kann ich außer Reiten sonst noch tun, um meinen Körper und meine Psyche besser aufs Reiten vorzubereiten?

Darin finden sich Übungen, die die Körperwahrnehmung und Haltung verbessern, den Konditionszustand aber auch die mentalen Fähigkeiten des Reiters trainieren. Die Übungen sind als ergänzendes Training für ReiterInnen in jeder Ausbildungsstufe anzuraten und besonders für BerufsreiterInnen aller Reitweisen sehr hilfreich.

Ein Bereich daraus ist z.B. die Körperwahrnehmung. Sie spielt eine Schlüsselrolle für harmonisches Reiten und ermöglicht eine feinere Kommunikation zwischen "Mensch & Pferd". Auch das (Wieder-)Erlernen der aufrechten Körperhaltung gehört hierher. Die Haltungsschulung macht Defizite bewusst und zeigt Lösungsmöglichkeiten. Wie stehe/sitze ich? In welcher Position ist mein Brustbein? Wie bewegt sich mein Becken? Schwingt mein Rücken? u.a.m. Durch gezieltes Üben kann die Haltung im Sattel verändert, die Steuerung des Beckens, die Lage der Beine und das Schwingen des Rückens verbessert werden. Mobilisierungsübungen, teilweise mit Sitz-Bällen, aber auch Atemschulung und Übungen zur Körperspannung helfen dabei. Erst ein ausbalancierter Sitz in aufrechter Haltung lässt die Reiterhände „zur Ruhe kommen“.

Fühlen

Auch die Verbesserung der Koordination (z.B. linke und rechte Körperhälfte unterschiedlich steuern), der Körperbalance sowie der Rhythmusfähigkeit (dazu übe ich gerne mit Musik) gehören zur Equus®-Reiterausbildung. Unter dem Titel "Körpertraining für Reiter" habe ich einige Übungsserien zusammengestellt, die als Anreiz und als sinnvolle Ergänzung zum Reiten dienen sollen. Im Seminar "Besser Sitzen - Besser Reiten" können sie lernen, Ihren Körper koordinierter zu bewegen und mehr „über den Sitz zu reiten“.

Mentales Training ist auch ein spannendes Thema in der Reiterausbildung. Gefühle wie Angst, Aggression, Macht und Ohnmacht aber auch Freude, Vertrauen und Glück sind beim Umgang mit Pferden immer wieder präsent.

Wer sich dessen bewusst wird und damit umzugehen lernt, ist im Vorteil. Die Fragen „Bin ich fair und konsequent zu meinem Pferd?, Vertraue ich meinem Pferd?, Warum bin ich angespannt?“, können danach leichter beantwortet werden.

Reiter müssen keine herausragende Kondition haben, aber ein Mindestmass an Fitness ist trotzdem nötig. Die richtige Mischung beim Training verhilft dazu. Wer darüber mehr wissen möchte, kann sich gerne melden.

Die Ausbildung des Reiters in möglichst vielen von den angeführten Bereichen bringt nach meiner Erfahrung riesige Fortschritte für das Reiten. Es zeigt sich, dass wir sowohl an unserem „Exterieur“ (Haltung, Motorik) als auch an unserem „Interieur“ (Persönlichkeit, Charakter) arbeiten müssen, wenn wir unseren Pferden als kompetente Partner gegenübertreten wollen. Equus® hilft Ihnen dabei!