Gesunder Rücken!

von Franz Bachofner

(März 2007)

Viele Menschen klagen über Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat. Ein beträchtlicher Anteil der PatientInnen in den Wartezimmern der Ärzte ist davon betroffen. Leider ist auch bei Jugendlichen eine deutliche Zunahme von Haltungsschwächen und daraus resultierenden Problemen zu erkennen.

Die Wirbelsäule als zentrale Achse unseres Körpers ist in den meisten dieser Fälle beteiligt. Die Gründe dafür sind weitgehend bekannt. War es vor einigen Generationen noch die schwere körperliche Arbeit, die Überlastung verursacht hat, so sind es heute unser „moderner Lebensstil“ und die zunehmende Lebenserwartung. Zu wenig Bewegung, besonders im Wachstumsalter, und ungesunde Ernährung in Kombination mit psychischem Stress fordern ihren Tribut. Der Körper reagiert darauf mit Abschwächung der Muskulatur, die jetzt ihre Stütz- und Bewegungsfunktion nicht mehr richtig erfüllen kann.

Bei Kindern werden durch fehlende Bewegungsanreize Muskeln und Gelenke aber auch Herz und Kreislauf schlechter entwickelt. Das ist der Mix, der unsere Gesellschaft krank macht und gleichzeitig extreme Kosten verursacht.

Vorbeugende Maßnahmen forcieren

Am sinnvollsten wäre es, diese Fehlentwicklung gar nicht erst zuzulassen. Das würde bedeuten, bereits im Kindesalter für ausreichende und abwechslungsreiche Bewegung zu sorgen. Tägliche Spiel- und Trainingseinheiten mit hohem Aufforderungscharakter sind dafür nötig. Dabei kann auch der Sozialkontakt zu anderen Menschen spielerisch verbessert werden, ein Aspekt der in unserer Konkurrenzgesellschaft oft untergeht. Beim täglichen Bewegen sind besonders die Eltern gefordert. Übernehmen Sie ihre Verantwortung und gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Man kann nicht alles auf Schule oder Kidergarten abwälzen.

Trainieren ja - aber richtig

Auch die Erwachsenen haben gute Gründe, sich um ihren Körper zu bemühen. 30–40% der Körpermasse sind Muskeln. Dieses „riesige Organ“ will gepflegt und beübt werden. Die meisten Beschwerden am Stützapparat haben ihre Ursachen in der Muskulatur. Folgende Elemente müssen in einem funktionellen Trainingsprogramm enthalten sein:

* Kräftigungsübungen besonders für die Rumpfmuskulatur

* Dehnungsübungen für verspannte oder bereits verkürzte Muskeln

* Mobilisierungsübungen zum Erhalt der Gelenkbeweglichkeit

* Ausdauertraining für Herz und Kreislauf

Abhängig von Alter, Zustand und Zielen der Person ist eine ausgewogene Mischung anzustreben. So ein „Bewegungspaket“ sollte lebenslänglich und vor allem regelmäßig durchgeführt werden.

Rückenschule bringt Ökonomie in die Bewegung

Für Menschen mit Beschwerden ist neben der Gymnastik oft auch Verhaltenstraining wichtig. Alltagstätigkeiten wie z.B. Stehen, Sitzen, Gehen, Heben von Lasten u.a. können durch systematische Rückenschule verbessert werden. Ziel dabei sind Gelenke schonende Bewegungsabläufe, die zusätzlich Kräfte sparen. Leider gibt es auch zahlreiche Kinder, die bereits Defizite und „falsche Programme“ in ihrer Motorik zeigen. Wenn bereits Beschwerden da sind und besonders bei älteren Menschen, kann durch Umlernen von Bewegungsabläufen eine deutliche Entlastung erfolgen.

Eine Chance für jeden

Somit sind gezielte Bewegung und Verhaltenstraining eine große Chance für Menschen in jedem Alter. In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Sporttherapeut und Trainer habe ich genügend Beispiele erlebt, wo Patienten durch Änderung der Verhaltensweisen ihre Probleme reduzieren oder lösen konnten. Manche finden dadurch auch einen neuen, positiven Zugang zu ihrem Körper und bleiben langfristig aktiver.

Wer beim Lesen neugierig geworden ist oder sich selbst betroffen fühlt, sollte nicht nur leise seufzen, „…ich weiß, ich müsste etwas tun…“ sondern tatsächlich Nägel mit Köpfen machen. Lassen Sie sich auf jeden Fall von ausgebildeten Fachleuten beraten, sprechen Sie eventuell mit ihrem Arzt darüber und dann kann es schon losgehen.

 

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