Wieder einmal Frühling - Die Geschichte von Hartmut

von Franz Bachofner

(März 2006)

Ich könnte Ihnen diesmal, passend zur Jahreszeit, einige Tipps zum „Frühlings-Erwachen" geben. Sie wissen schon, mehr Licht und frische Luft, Aktivitäten im Freien, vernünftige Ernährung, den Winterspeck loswerden.…
Ich möchte Ihnen aber diesmal etwas anderes berichten, nämlich eine Person vorstellen. Sie heißt „Hartmut“ und vielleicht erkennen Sie diesen Typen.

Hartmut ist etwas über 40 Jahre alt und in seinem Beruf sehr tüchtig. Er hat sich seine Position über die Jahre hinweg hart erarbeitet. Er hat einen verantwortungsvollen Job und fühlt sich mit seiner Firma sehr verbunden. Sein Chef schätzt ihn und er weiß, dass er zu jeder Zeit mit Hartmut rechnen kann. Hartmuts Familie – er hat 2 Kinder mit seiner Frau – klagt öfter darüber, dass Papa zu wenig Zeit für sie hat. Vor allem die Abendtermine sind in den letzten Jahren häufiger geworden. Hartmut sagt, er muss das tun, um die geschäftlichen Kontakte zu pflegen.
Früher hat Hartmut auch noch Fußball gespielt und war in der Theatergruppe aktiv. Dafür hat er schon lange keine Zeit mehr. Seit er vor einem Jahr versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören, hat er ca. 15 kg zugenommen. Anfangs hat es ihn gestört, aber langsam hat er sich daran gewöhnt. In der Zwischenzeit raucht er wieder etwa 1 Packung am Tag. Wenn es abends länger dauert, können es auch 2 Packungen sein. Er hat sich zwar vorgenommen, im nächsten Urlaub endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, aber so richtig glaubt er selber nicht daran.
Fürs Frühstück nimmt sich Hartmut selten Zeit. Er trinkt dafür im Büro häufig Kaffee. Mittags geht Hartmut meistens ins Gasthaus essen. Zum Menü trinkt er 1-2 Gläser Bier und danach noch Kaffee. Er sagt, dass er dann das Nachmittagstief besser übersteht. Wenn er dann die Stiegen zum Büro flotter hinaufgeht, merkt er, dass er zu wenig Luft bekommt und auch seine Beine sind schnell ermüdet.
Wenn Hartmut an den Wochenenden mit seinen Kindern wieder einmal im Garten spielt, fühlt er sich rasch ermattet. Daher liegt er oft vor dem Fernseher und möchte nur seine Ruhe haben. Seine Frau ist in letzter Zeit etwas ungeduldig mit ihm. Sie merkt natürlich, dass Hartmut zu viel Stress hat. Sie hat auch schon öfter versucht, ihn zu bremsen aber er weicht aus. Sie möchte seit längerem den nächsten Urlaub planen. Er hat sie schon so oft vertröstet. Hartmut hat wenig Lust, in einen Club zu fahren. Er würde am liebsten in eine Therme. Da könnte er auch seinen Laptop mitnehmen und in Ruhe sein nächstes Projekt vorbereiten. Seit einigen Monaten hat Hartmut öfter Rückenschmerzen. Am Anfang hat er das ignoriert. Dann hat er es mit warmen Bädern versucht. Als er im Büro am Nachmittag nicht mehr sitzen konnte, ist er zu seinem Hausarzt gegangen. Dort wurde auch noch festgestellt, dass sein Blutdruck zu hoch ist. Jetzt nimmt er Medikamente gegen die Rückenschmerzen und auch etwas wegen dem Blutdruck. Hartmut hofft, dass er nicht ewig diese Dinger schlucken muss. Er hat gehört, dass es auch homöopathische Mittel gibt, die helfen sollen und gegen die Rückenschmerzen will er sich jetzt spezielle Schuhe kaufen. Die wirken angeblich Wunder.
Wenn Hartmut spät am Abend ins Bett geht, denkt er manchmal wie es sein könnte, wenn er plötzlich viel Zeit hätte. Was er alles unternehmen würde und dass er seinem Sohn versprochen hat, gemeinsam mit ihm im Zelt zu übernachten. Auch seiner Frau ist er noch das Candlelight-Dinner vom letzten Geburtstag schuldig. Dabei schläft er dann meistens ein...

Wenn Sie jetzt denken, „Klar, dass der nicht ewig so weitermachen kann. Der macht sich ja kaputt. Wie soll das seine Familie aushalten?“ so haben Sie Hartmut schon etwas voraus. Sie haben das Problem erkannt.
Hartmut ist natürlich frei erfunden. Niemand wird so unvernünftig sein und so mit seiner Gesundheit und seiner Familie umgehen, oder...?
Ich wünsche Ihnen einen gesunden Frühling und viel Zeit für das, was Ihnen „wichtig“ ist.

 

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