SINNvolles Reiten

(Mai 2003)

Ich möchte Ihnen diesmal einige Gedanken und Tipps zum Reiten in der Natur geben. Jetzt im Frühjahr ist es ja fast ein Muss, ins Gelände hinauszureiten und die Natur zu genießen! Dabei können Mensch & Pferd ausspannen und mit der Seele baumeln und vielleicht auch den nötigen Ausgleich zum Training in der Halle oder am Dressurviereck finden.

So weit - so gut! Ich begegne in meiner Arbeit aber auch manchen ReiterInnen, die zwar gerne ausreiten würden, dabei aber Stress haben oder sich aus Unsicherheit gar nicht hinaustrauen. Voraussetzung, damit das Reiten in der Natur auch Spaß macht, ist nämlich ein gut erzogenes und zuverlässiges Pferd, das über feine Hilfen gesteuert werden kann und sich nicht vor jedem „Busch“ erschreckt.

Das heißt, wer ins Gelände reiten will, sollte vorher seine „Hausaufgaben“ erledigt haben! Dazu gehört vor allem, dass die „Beziehung“ zwischen „Mensch & Pferd“ klar ist. Damit meine ich, für das Pferd sollte klar sein, dass der Reiter Tempo und Richtung vorgibt, ohne dass das Pferd ständig darüber zu diskutieren beginnt. Nur in einer guten Beziehung wird sich das Pferd unter dem Reiter auch in „schwierigen Situationen“ – das kann schon ein lautloser Radfahrer sein, oder ein Vogel, der vom Wegrand auffliegt – kontrollieren lassen. Nur ein „gutes Leittier“ - und das sollten wir für unsere Pferde darstellen – gibt dem Pferd in Stresssituationen die nötige Sicherheit und Ruhe für Entspannung. Wer mehr darüber wissen will, kann sich mit „Equus®-Beziehungstraining“ diese Beziehung erarbeiten.

Beim Reiten in der Natur kommt nur dann richtig Freude auf, wenn die Pferde auf die Hilfen gut reagieren. Schlimm ist es, wenn man Pferde sieht, die sich mit weg gedrücktem Rücken und verspannten Bewegungen unter ihren ReiterInnen bewegen. Aber man sieht auch ReiterInnen, die wie Wasserschifahrer mit vorgestreckten Beinen und viel Gewicht in den Händen mühsam ihre Pferde am davonlaufen hindern. Ich ersuche um Verzeihung, wenn ich mit diesen Worten viele gute ReiterInnen „provoziere“, aber es ist leider nichts erfunden, sondern ich spreche aus Erfahrung. Diese anstrengende Art im Gelände zu reiten, wäre aber nicht nötig. Jedes Pferd lernt innerhalb kürzester Zeit bei richtiger Methodik, auf ein leises Einatmen und Aufrichten des Reiters, sich in Bewegung zu setzen oder auch umgekehrt, auf feine Hilfen, anzuhalten – ohne dass man es mit den Fersen kicken oder im Maul ziehen muss. In den Seminaren Equus®-Beziehungstraining erleben es die TeilnehmerInnen immer wieder, wie fein wir mit unseren Hilfen werden können. Die Pferde lieben das und sind dafür dankbar!! Wenn wir unsere Pferde so vorbereiten, macht auch das Reiten im Gelände richtig Spaß.

 

Haben Sie schon einmal während einem Ausritt die unterschiedlichen Sinne aktiviert? Wir haben sehr gut angelegte Sinnesorgane, die man noch schärfen kann.

Hier einige Anregungen:

Lassen Sie bei den Übungen die Pferde entspannt am losen Zügel gehen. Achten Sie einmal auf alles, was man da draußen hören kann: das Singen der Vögel, den Wind in den Bäumen, das Knacken von Ästen, die Hufgeräusche, das Atmen der Pferde,...

Oder achten Sie darauf, wie viele unterschiedliche Gerüche in der Natur vorkommen. Bewundern Sie die herrlichen Farben in der Natur, die vielen unterschiedlichen Grünschattierungen - besonders jetzt im Frühling. Oder lenken Sie die Aufmerksamkeit zum Spüren. Wie schaukelt das Becken? Wie schwingt der Pferderumpf unter uns? Wie hängen die Beine nach unten? Wie gerade oder krumm ist der Oberkörper? Wer sich sicher fühlt, kann dabei die Augen schließen und wird auf einmal noch viel mehr spüren.

Sie werden merken, dass bei diesen Erlebnissen auch die Pferde ruhig und zufrieden werden, weil sie auch ein Teil dieser Natur sind, die wir genießen dürfen. Außerdem bin ich überzeugt, dass sie spüren wenn wir innerlich entspannen. Häufig fühlen wir dann eine innere Zufriedenheit, die uns eine starke Verbindung zum Partner Pferd anzeigt. Wer es schon erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Das sind sogenannte „Glückmomente“ im Leben eines Reiters, die wahrscheinlich auch von den Pferden so wahrgenommen werden.

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